OktLiebe Freunde,

Dieses Mal könnt ihr eine Nikolausgeschichte lesen. Sie heißt:

Das Theaterstück vom Nikolaus

aus dem Buch BUNTE BLUMEN von Rika

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor den Weihnachtsferien wurde ein Schulfest geplant. Die Lehrerin hatte vorgeschlagen, dass Bennos Klasse ein holländisches Sinta Claas Fest machen sollte. Das entspricht unserem Nikolaus, ist aber trotzdem etwas ganz anderes, weil die holländischen Kinder nicht Weihnachten feiern, sondern an diesem Tag ihre Geschenke bekommen. Die Lehrerin erklärte, dass Sinta Claas, also der heilige Nikolaus, ein Bischof war, der sich für die Armen einsetzte.

In der Zeit, in der er lebte, waren die Menschen noch so dumm, die Mitbewohner auf unserer Erde nach Hautfarben einzuteilen. Der heilige Nikolaus fand das gar nicht gut und machte darum einen Afrikaner zu seinem Adjudanten. Den nennen die Holländer de Swatte Piet, was soviel heißt wie der schwarze Peter.

Der Sinta Claas kommt jedes Jahr in Begleitung vom Swatte Piet mit dem Schiff angefahren, um die Kinder zu beschenken. Das ist ein wunderschönes Schauspiel. Im Fernsehen wird die Landung aus dem Hafen von Amsterdam übertragen, und alle wollen das sehen.

Schon tagelang vorher stellen die Kinder abends, wenn sie zu Bett gehen, ihre sauber geputzten Schuhe oder Stiefel vor die Schlafzimmertür. Sie glauben, dass der Swatte Piet ihnen dann nachts etwas bringt. Und meistens finden sie morgens Schokolade, Plätzchen oder andere Süßigkeiten darin. Die Geschenke liegen daneben.

Am 6. Dezember, wenn das große Ereignis stattfindet, verkleiden sich die Kinder gerne und am liebsten als Swatte Piet. Wer nicht dunkelhäutig ist, färbt sein Gesicht braun oder schwarz, damit es schön echt aussieht.

Die ganze Klasse sollte den Empfang im Hafen von Amsterdam als Weihnachtsschauspiel einstudieren, weil da ein großes Publikum erforderlich ist. Bei der Schulaufführung wollten nämlich alle Kinder mitmachen, und weil es so viele Hauptrollen in dem Nikolausstück nicht gibt, hatte die Lehrerin vorgeschlagen, dass die Schauspieler für Sinta Claas und Swatte Piet ausgelost werden sollen. Für jeden Interessenten wollte sie ein Los herstellen: alles Nieten und nur zwei Gewinne.

Nachmittags war freiwillige Bastelstunde, in der die Lose angefertigt wurden. Alle Lose kamen dann in einen Topf, der mitten auf den Basteltisch gestellt wurde. Die Kinder saßen um den Tisch herum. Und dann wurde ausgelost. Jeder durfte ein Los ziehen. Das Losziehen ergab eine Überraschung. Beim Öffnen schrie Benno vor Freude laut auf, er hatte die Hauptrolle, er durfte Sinta Claas sein.

"Wer hat denn den Swatte Piet gezogen?", wollte die Lehrerin wissen.

"Ich", antwortete eine feste Stimme. Es war Sam, der einzige Afrikaner in der Klasse. Alle lachten und schrieen durcheinander. So etwas von gut!

"Du brauchst dich ja nicht 'mal anzumalen!" rief Annika, und wieder lachten alle.

"Mein Freund ist der Swatte Piet. Das is'n Ding", bemerkte Elena cool.

"Und meiner ist Sinta Claas", freute sich Grit.

Die Hauptdarstellerfrage war gelöst. Es begannen die Proben für die Aufführung. Verschiedene Eltern hatten zugesagt, für Kostüme und Theaterkulisse zu spenden oder bei den vorbereitenden Arbeiten mitzuhelfen.

Die Väter von Marei und Sue arbeiteten tagelang, um ein Gerüst herzustellen, das eine Reling hatte wie ein Schiff. In der Mitte führte eine Treppe herab. Die Mutter von Grit übernahm das Kommando für die Nähgruppe, die die Kostüme herstellte. Antje, die Mutter von Rabea und Arik backte mit Heike und Paula Plätzchen. In allen Familien wurde tatkräftig mitgeholfen, um ein schönes Fest zu gestalten.

Dann war es endlich so weit. In der Aula stand das Schiff mit der Aufschrift "AMSTERDAM". Der Flügel, der immer da stand, war aufgeklappt. Die Stuhlreihen füllten sich. Die Eltern und Lehrer hatten Sonntagskleider angezogen. Die Kinder der anderen Klassen warteten gespannt und saßen mit ihren Eltern im Zuschauerraum.

Antje setzte sich an den Flügel und spielte das Lied "Nikolaus komm in unser Haus", das alle mitsangen. Dann hielt der Herr Direktor eine kurze Ansprache. Jetzt spielte Antje "Morgen kommt der Weihnachtsmann", und danach verlöschte langsam das Licht im Zuschauerraum, das Schiff auf der Bühne wurde angestrahlt, die ganze Klasse vier stand unten im "Hafen".

Unter dem Jubel der Kinder erschien der Sinta Claas mit seinem Bischofsstab an Deck. Er hatte einen weißen Rauschebart, einen roten Umhang mit einem großen goldenen Kreuz darauf, und neben ihm stand der Swatte Piet mit seinem typischen schwarzen Käppi und der langen Pfauenfeder. Er hatte in der einen Hand den gefüllten Sack und in der anderen eine Rute.   

Die Eltern klatschten, die Kinder winkten, alle redeten durcheinander. Es sah ganz echt aus, wie wenn ein Schiff gerade in den Hafen einläuft.

Ihr Lieben alle", erhob der Nikolaus seine Stimme. "Ich bin von weit hergekommen, um die Guten zu belohnen. Meinen Freund habe ich mitgebracht, der ist gerecht und soll euch daran erinnern, dass ein gutes Zusammenleben nur möglich ist, wenn alle zusammenhalten und wenn alle sich bemühen, das Beste zu geben und das Richtige zu tun." Das hatte Benno sehr gut auswendig gelernt. Applaus brandete auf.

"Ich werde am heutigen Tag Gnade vor Recht gehen lassen. Jeder weiß, was er verbessern muss, und darum werden heute Gaben für alle verteilt", ergänzte der Swatte Piet und drohte mit der Rute. Jubel, Klatschen. Antje schlug ein paar Töne an, und dann sangen alle mit ihrer Begleitung das holländische Liedchen, das sie geübt hatten: "Oranje boven, oranje boven, leve Sinta Claas. Oranje boven, oranje boven, leve Swatte Piet." Das sollte ein Hochlied auf die beiden heiligen Männer sein. Dabei schritten der Nikolaus und Piet die Treppe herunter. Unten wurden sie von den Kindern umringt.

Der Swatte Piet öffnete den schweren Sack und überreichte kleine Päckchen, die an alle Kinder der Schule verteilt wurden.

Wohlgefällig sah der Sinta Claas dem Treiben zu, schritt durch die Menge und blieb vor einem Jungen aus den oberen Klassen stehen.

"Du bist Nico", sprach er ihn an. Der war ganz verblüfft und bekam rote Ohren.

"Klar", sagte er frech, "Was dagegen?"

"Wie könnte ich etwas gegen deinen Namen haben?", fragte der heilige Mann zurück, "ich habe etwas gegen dein Tun."

Nicos Ohren wurden dunkelrot. Das war ihm peinlich vor so vielen Menschen. Er wagte auch nicht einfach zu sagen: „Benno, halt die Klappe“, was er sehr gerne getan hätte.

„Dieses schöne Fest wollen alle in guter Stimmung verbringen. Du auch. Vergiss nur nicht, dass es auch im täglichen Leben so sein soll. Wer anderen Leid zufügt, vergiftet auch sein eigenes Leben", damit ließ er ihn stehen und ging weiter grüßend durch die Aula.

Keiner wusste, dass er diesen Auftritt mit Paula geübt hatte. Es war prächtig gelungen. Nico wusste aber genau, dass der böse Zwischenfall gemeint war, wo er seine rohe Kraft an einem kleinen Kind ausgelassen hatte. Er schämte sich vor allen anderen.

Als alle Päckchen verteilt waren, Sinta Claas und Swatte Piet den ganzen Saal durchschritten hatten, begaben sie sich zurück an ihr Schiff, schritten unter großem Hallo die Treppe zur Reling empor.

Oben angekommen erinnerten sie noch einmal daran, dass jeder in einem fremden Land ein Fremder ist und somit alle Menschen gleich sind. Die Kinder sollen das bedenken, weil der heilige Nikolaus in Afrika damals ja auch ein Fremder war.

Sue, ein Mädchen aus der ersten Klasse, sagte ein Gedicht auf. Zur Belohnung bekam sie vom Sinta Claas persönlich noch einen Stutenkerl. Grit sang ein Weihnachtslied, wobei sie von Antje begleitet wurde.

Die heiligen Männer, der Nikolaus und der Swatte Piet, winkten der festlich gekleideten Menge noch zu und verschwanden dann durch eine Kabinentür.

Das Fest war zu Ende. Eine schöne Weihnachtsstimmung hatte sich eingestellt, zumal es draußen geschneit hatte. Die herab fallenden Schneeflocken tanzten um den beleuchteten Weihnachtsbaum, der im Schulhof aufgestellt war. Verschiedene Jungen machten eine Schneeballschlacht. Die Ferien fingen an.

Alle Kinder freuten sich auf das Weihnachtsfest.


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